Mein eigens projekt

Ich habe gerade gemerkt, dass ich mich im letzten Eintrag etwas wiederhole- das passt schon! Gerade ist mir beim Bloggen noch so viel eingefallen, was ich erzählen kann, dass ich jetzt noch mal was in meinen Blog schreiben. Ansonsten vergess ich bestimmt wieder, schließlich kenn ich mich doch.

Mein eigens Projekt bekommt langsam, aber sicher preziere Konturren: Da OVV mit Renates Idee nicht ganz einverstanden war, haben alle überlegt, was ich stattdessen machen kann. Peter hatte die Idee, dass ich ein Mal in drei Wochen in Sint Niklaas, Oostende und Antwerpen zwei oder drei Stunden Aktivitäten für Kinder anbiete. Für mich hiesse das dann, dass ich indirekt an meine Tätigkeit beil DLRG anknüpfen würde. Letztendlich mache ich wieder Jugendarbeit, nur nicht im Wasser. Der große Vorurteil ist, dass ich endlich etwas mache, wo ich die Verantwortung selber trage und es nach meinen Idee und so entwerfen kann. Zudem hocke ich so nicht 5 Tage die Woche im Büro fest!!!! Nur Büroarbeit ist echt nicht ganz mein Fall...

Peter würde wohl sagen, dass eine win-win Situation durch das Projekt besteht: OVV verspricht sich von der Sache, dass es ein Mal mehr bekannt wird und zum anderen dass es so auch die Jugend in Westvlaanderen erreicht. Die meisten Teilnehmer an den Wochenenden kommen aus Antwerpen, Limburg, Hasselt und Mecheln. Damit sind aber nur nur ein paar der vlämischen Provinzen abgedeckt. Um als nationale Organisation zu gelten, sollen aber aus allen Provinzen Teilnehmer kommen. Das ist aber momentan echt ein Problem!

Heute war unser erstes Treffen mit ansprechpersonen von SDV - Social Dienst voor de Vluchtelingen. SDV ist eine Anlaufstelle für Flüchtlinge bzw. Sozialbenachteiligte, die Asylanträge stellen wollen oder sonstige Probleme mit den Behörden haben. (Anscheinend ist auch hier das Wort "Bürokratie" nicht unbekannt!!!) Zwar meinte Peter, ich sollte mir im Vorhinein Gedanken machen, was ich sagen will. Natürlich hatte ich auch schon ein Grundgerüst, wie ich den Kinderclub allgemein aufziehen will. Trotzdem fand ich es schwierig: Ins Detail wollte ich nicht so sehr gehen- ich musste ja auch abtasten, was sich SDV vorstellt, was möglich ist,etc. Andererseit wollte ich auch nicht den Eindruck entstehen lassen, dass ich mir keine Gedanken gemacht habe.... In ganzen habe ich dem Tag mit ziemlich gemischten Gefühlen entgegen geschaut - letztendlich war das Treffen echt gelückt:  Während des Gespräch wurde schnell klar, dass SDV seinen eigenen Kinderclub hat. Dieser versucht auch ein Mal pro Monat eine Aktivität anzubieten, an der ich auch teilnehmen kann. Leider muss ich nach Oostenden immer fast 2 Stunden mit den Zug fahren. Das heißt, es ist ziemlich unmöglich, dass ich bei der Verbereitung viel mithelfen kann. Klar, man kann viel über Internet und Telefon machen, aber schwierig ist es immer noch. Deswegen haben wir ein wenig rumgesponnen, was ich stattdessen machen kann.

 Die endgültige Idee ist, dass ich Ende Mai/Anfang Juni ein Treffen für die Kinder aus den drei verschieden Kinderclubs organisiere. Damit sich die Kinder nicht erst an diesem Tag kennen lernern, besuche ich mindestens ein Mal pro Monat jeden Kinderclub in den drei Zentren. Vielleicht kann man erst mit einen Freundschaftsbuch beginnen, indem sich die Kinder vorstellen. Der nächste Schritt wäre dann, dass die Kinder sich durch Mailkontakt besser kennen lernen. Ich finde die Idee toll, dass jedes Zentrum ein Schuhkarton bekommt. In diesen sollen sich dann Dinge befinden, die die Stadt, das Zentrum etc. repräsentieren. Meine Rolle ist dann die eines Postmanns. Mal schaun, vielleicht kann man ja auch Videos drehen.

Morgen vormittag werde ich die oben beschriebene Idee noch mal schön ausformuliert abtippen. Es wäre auch gut, wenn ich mir schon ein paar Gedanke mache, wie mein Zeitplan aussehen soll. Am Nachmittag treffen Peter und ich uns dann mit den Leuten in Sint Niklaas, um über das Projekt zu reden. Anfang folgende Woche sind wir dann im PSC i´von Antwerpen.

Wenn ich das ganze mir noch mal durch den Kopf gehen lasse, trage ich echt eine Menge Verantwortung auf meinen Schultern. Schließlich hängt der Erfolg der Sache auch von meinem eigenen Engargement ab. Zum Glück meinte Peter, dass mir OVV und die Zentren auf jeden Fall hlefen werden. Darüber bin echt froh, da ich so was echt noch nicht organisiert habe. Trotzdem strotze ich vor Idee, wie ich das ganze rüber bringen will!!!

Mittlerweile gefällt mir der Idee mit dern Kinderclub viel besser als die mit Arbeit im Tageszentrum für behinderte: Durch die Arbeit in den Zentrum werde ich mit Problemen von Flüchtlingen, Asylanten und Illegalen konfrontiert. Únd das entspricht genau meinem gewünschten Projektbereicht, für den ich mich bei ASF entschieden habe.

Tot ziens Sarah

6.11.07 21:21, kommentieren

Die ersten Wochen

Hallo ihr Lieben, ich bastele schon etwas länger an diesem Text rum, aber endlich hab ich ihn fertig gestellt!!! Es hat ja nur drei Wochen oder so gedauert.... ich sollte echt an meiner Schreibfaulheit arbeiten.                                             

 Als letzte verlasse ich immer zwischen 9.00 und 9.15 Uhr das Haus: Ich liebe meinen Arbeitsweg, denn ich fahre immer die Haupteinkaufsstrasse – Meir- bis zum Zentralbahnhof entlang und erfreu mich an den alten, prunkvollen Häusern. Aber das beste Stück beginnt erst nach dem Bahnhof – das orthodox-jüdische Viertel!!! Bei meiner ersten Fahrt habe ich echt mehr auf die Passanten, als auf den Verkehr geachtet – eine sehr schlechte Idee!!! Die Fahrradfahrer denken, dass der Verkehr sich nach ihnen richtet, und übersehen die roten Ampeln großzügig. Auch die Autofahrer fahren, wie sie wollen – aber es funktioniert bestens! Meine erste Begegnung mit den Tramschienen hatte ich auch, als ich in eine gekommen bin und erst mal schon flach gelegt habe. ( Es ist ja nicht so gewesen, als ob mich Inge und Nina nicht vorgewarnt haben. Aber wer nicht hören will, muss fühlen... J) Zurück zu dem Viertel, in Deutschland bin ich noch nie jemanden begegnet, der offensichtlich der jüdischen Religion angehört. Dementsprechend bin ich schon irgendwie fasziniert, wenn ich die Männer mit der Schäferlocken und den langen, rausche Bart zu Fuß oder auf dem Fahrrad entgegen komme. Eigentlich stechen sie immer aus der Menge heraus, da echt jeder Bewohner gleich gekleidet ist. Zu den beschrieben Merkmalen tragen die Männer immer einen langen schwarzen Mantel und Hut, und sind in schwarz gekleidet. Die Frauen erkennt man den schwarzen Röcken und Mäntel sowie dem bedeckten Haar auch immer. Ich würde mich gerne mit einem unterhalten und dabei all meine Fragen, die ich habe, loswerden. Ich glaube, durch meine zum Teil echt naive und unwissenden Fragen würde ich ihn entweder  amüsieren oder ziemlich verletzen!!! Außerdem denke ich, dass ich nie die Gelegenheit haben werde,  mich mit einem zu treffen. Es scheint, als ob sie sehr zurückgezogen wohnen und kaum, wenn gar gar keinen Kontakt zu den „normalen“ Antwerpener haben....

 Seit fast vier Wochen arbeite ich schon in meinem Projekt : Im Großen und Ganzen haben sich meine Befürchtungen bestätigt und nicht bewahrheitet – mein Team besteht genau aus fuenf Leuten: Inge, Peter, Dany, Frans und natuerlich ich – mit den Namen habe ich noch mal Glück gehabt!!! Bei Tijtse und Greetjeminke bricht man sich dann die Zunge. Inge ist die padägogische Arbeiterin. Zum Glück hat Inge immer eine Idee, wo ich Spielanregungen für das nächste Wochenende finden kann, wenn mich meine kreative Ader verlassen hat. Peter merkt man an, dass er vor OVV als Lehrer gearbeitet hat. Er weiß echt, wie man sich Respekt verschafft, ohne autoritär zu wirken. Gemeinsam mit Inge ist Peter meine Ansprechsperson, wenn ich Fragen, Probleme oder andere Sorgen habe. Dany ist unsere Meister der Zahlen, da er für die Buchhaltung zu ständig ist. Wenn irgendwas mit der Technik wieder mal nicht stimmt, kann er schnell zu Grummelgrieskram werden, obwohl er normalerweise richtig lieb ist. Frans ist für das Flüchtlingsprojekt und vor allem die Arbeit mit Kindern zu ständig. Mittlerweile versteh ich so gar seine Witze, was bei seiner Dialekt echt nicht einfach war. Am Anfang hab ich immer ahnungslos mitgelacht.  Ihr seht, mein Team ist echt goldig und ich verstehe mich mit ihnen echt gut.
 Durch meine Arbeit merk ich erst, dass Büroarbeit eigentlich ziemlich vielseitig. Leider besteht der größte Teil aus dieser Arbeit, da alles auch Wochenendfreizeiten erst mal vorbereitet werden müssen- Telefonieren, Programmausarbeitung, Treffen mit den anderen Freiwilligen für Wochenende. Trotz allem merk ich, dass ich einen Ausgleich brauche. Deshalb versuchen Peter und ich mehr praktisches in meinen Projektalltag zu bekommen. Ich erzähl auch einfach das nächste Mal davon.
  In meiner zweiten Wochen war meine erste Wochenendfreizeit für Teenager zwischen 12 und 16 Jahre: Anfangs hatte ich ein bisschen Angst, dass ich mit ihnen nicht auskommen würde- zum Glück ist alles echt gut gelaufen!!! =) Das Thema war „Trouble in Paradies“, das sich dann wie ein roter Faden durchs Programm gezogen hat.  Für eins der Spiele habe ich dann im Internet Artikel über beispielsweise Kindersoldaten, Obdachlose, Hungersnot etc. herausgesucht. Ich bin echt stolz, dass ich alle Artikel auf www.11.be - eine belgische Seite, die von Geschehnissen berichtet, die meistens in der Tageszeitungen nicht erwähnt werden- herausgesucht und vor allem inhaltlich verstanden habe. Inge meinte sogar, dass die von mir ausgewählten Texte echt gut seien!!! Kann mir jemand mal auf die Schulter klopfen?!!? J Während einer Art Schnitzeljagd mussten die Teenager, in zwei Gruppen aufgeteilt, eine gute Lösung auf diese Probleme finden und dabei schneller als die andere Gruppe fertig werden. Die Lösungen sollten dann dem Engel Gabriel (Peter) vorgetragen werden. Das ganze wäre ja zu einfach gewesen, wenn es nicht die Schlangen gegeben hätte. Inge, Shamisa und ich haben uns als Schlangen verkleidet und versucht, die anderen zu fangen, um ihnen dann neue Probleme aufzuhalsen. Die Tagen vorher hat es fast nur geregnet. Da wir im Wald gespielt haben, wurde die Schnitzeljagd schnell zur Schlammschlacht. Ein Mal wollte ich Tiziana fangen. Natürlich ist sie vor mir weg gerannt und zwar in matschige Wiese!!!! Der Dreck ist echt in alle Richtungen gespritzt!!! Zu unsere Freude hatten wir dann auch noch nasse Schuhe, die nicht mehr trocken werden wollten... Alle hatten echt ihren Spaß und ich denke, das ist das wichtigste Sache!!! Mein Glück war auch dies Mal wieder da: Mitten im Spiel bin ich von einer Biene in die Lippe gestochen worden, sodass meine Lippe schön angeschwollen ist!!! Ich sah aus, als hätte mir jemand zu viel Botox in die Oberlippe gespritzt. Dagegen sind die Lippen von Angelina Jolie echt harmlos!!!
 Nach zwei tagen non Stopp Flämisch war ich echt am Ende: Zwar verstehe ich sehr viel, nur tue ich mich sehr schwer, wenn ich antworten muss. Ich denke, man merkt schon noch, dass ich mir die Sätze oft noch im Kopf formuliere, bevor ich rede. Manchmal stottere ich mir einen ab, aber immerhin versuche ich alles, auf Niederländisch zu sagen. Üben macht den Meister!!! Für meine Sprache war das Wochenende echt super, aber am Ende war ich echt am Ende und saß beim Abschlussspiel  nur noch rum. Ha, ich muss Euch von meiner Rückfahrt erzählen: Ich bin mit Shamisa und Justin nach Antwerpen zurückgefahren und musste irgendwann total aufs Klo. Von der Müdigkeit total entkräftet habe ich es nicht mehr geschafft, die Toilettentür aufzumachen, sodass mir die daneben stehenden Jungen echt helfen mussten. Vom Zentralbahnhof musste ich dann noch nach Hause laufen. Erstmal habe ich mindestens das doppelte an Zeit gebraucht und hab es auch noch geschafft, meinen Schlafsack fallen zu lassen. Natürlich fiel der direkt zwei jungen Männern vor die Füße, die deshalb fast gestolpert wären. Zum Glück haben sie mir den Schlafsack gegeben. Ihre Blicke waren echt herrlich, da man ihre Gedanken daran ablesen konnte. Anscheinend waren sie echt am Überlegen, ob sie mich nicht nach Hause begleiten sollten: Zuhause angekommen bin ich sofort ins Bett gegangen und hab mir als 15 Stunden geschlafen- zwischen zeitlich bin ich noch wegen des Abendessen aufgestanden. Mit mir war echt nichts mehr anzufangen!!! Aber ich war auch echt total fertig.

 Neben den Wochenendfreizeiten und ihrer Organisation arbeite ich noch am KAP- Projekt mit- fragt mich nicht, was die Abkürzung bedeutet!!! Ich hab es schon wieder verdrängt...Jedenfalls ist KAP ein Zusammenschluss von den protestantischen Kirchen in Ruanda, Kongo, Südafrika und Belgien. Jede zwei Jahren findet ein Kap-Camp für junge Erwachsene in einem der Mitgliedländer- und wisst ihr, wo das nächste stattfindet?!!? Hier, in Belgien: Zuerst wird es für zwei Wochen in der Nähe von Liege sein und die restlichen 14 Tage dann in Antwerpen. Da Kap versucht, neue Mitglieder anzuwerben, musste ich als erstes mit einer Pfarrerin in Brüssel telefonieren. Ich weiß es nicht, wie lange ich gebraucht habe, bis sie mein Anliegen verstanden hat. Das übelste an der Sache war, ich habe das Telefonat auf Deutsch geführt..... jajaja, ich und meine Muttersprache!!! =) Mir ist echt ein Stein vom Herzen gefallen, dass ich bei einer anderen Anfrage per Mail prompt geantwortet wurde!!!

 Die Schattenseite an meinem Projekt ist halt, dass ich viel  vor dem Computer sitze, um Mails zu verschicken, Texte zu lesen, Informationen zu bekommen. Einerseits merk ich, dass Büroarbeit echt vielseitiger ist, als ich dachte. Meistens finde ich auch Gefallen an dem, was ich tue. Beispielsweise lege ich gerade, wie ich das Thema Geschlechtskrankheiten in ein Spiel packen kann!!! Aber auf die Dauer merk ich halt, dass ich nicht die ganze Zeit hinter dem Bildschirm verbringen möchte!!! Deshalb bin ich ziemlich froh, dass mein Projekt wahrscheinlich etwas geändert wird: Wenn der Raad de Bestuur zu stimmt, wird ich ein Mal pro Woche bei einem Verein für Behindertensport helfen. Gestern habe ich Lara nach dem Sprachkurs in ihrer Arche besucht: Als Arche bezeichnet man eine Lebensgemeinschaft mit Behinderten. Lara nennt sie immer „Gasten“, was ich echt vorziehe. Der Begriff wertet diese Menschen nicht ab. Die waren echt total nett und haben sich über meinen Besuch gefreut. Jeanne hat mich nach Strich und Faden ausgefragt. Ich fands schwer, sie zu verstehen, denn sie hat keinen Rücksicht darauf genommen, dass ich noch nicht so gut spreche, und hat in einem Affenzahn gesprochen. Ich freu mich schon auf die neue Arbeit, wenn es klappt!!!

 Außerdem will ich mein eigens Projekt auch aufbauen: Peter nimmt gerade Kontakt zu möglichen Zentren auf, um mal zu schauen, ob meine Vorstellung von meinem Projekt realisierbar sind. Mal schaun, was sich ergibt!!! Momentan bin ich ziemlich zuversichtlich!!!

 

 Grotjes Sarah

1 Kommentar 6.11.07 20:41, kommentieren

So, jetzt habe ich ungefähr 1000 Mal angefangen und alles wieder gelöscht: Ich hab in den letzten Wochen so viel erlebt und könnte genauso viel erzählen!!! Aber ich schaffe es nicht, alles aufs Papier zu bringen- grr!!! Am Besten fang ich mal mit Hirschluch an- liegt ja irgendwie auf der Hand.

  Wie ihr wisst, ging’s ja am 1.September für mich los: Im Zug saß ich erst alleine, bis Vanessa mit der Hilfe von Johannes ihr Gepäck ins Abteil kam. Vanessa sah man erst auf dem zweiten Blick, da sie zwischen ihrem riesigen Wanderrucksack und dem kleinern vorne kaum zu erkennen war- ich muss schon sagen, da habe ich mit meinen Trolly und dem Rucksack besser gepackt habe!!! Insgesamt waren wir 15 Leuten, die ich zum Teil vom Regio-Treffen Köln-Bonn schon kannte. Die Zeit bis Berlin verflog echt schnell. (In Hamm mussten wir 45 Minuten warten- die Bahn hat ihrem Namen wieder alle Ehre gemacht!!!)

 Angekommen in Hirschlurch begann Leben in der Masse: zu circa 160 Leuten frühstücken, Mittag und Abend essen. Über den Geräuschpegel sag ich mal nichts, selbst beim schweigsamen Mittagessen war wegen dem Geschirrgeklapper laut. In unseren Haus – wohl bemerkt nur Mädchen- gab es nur vier Duschen und es war arschkalt... es lebe die Zwiebeltechnik, bei der man möglichst viele Klamotten anzieht!!!

 So, das waren die schlechten Seiten. Kommen wir mal zu den guten: Ich habe so viele liebe und lustige Leute kennen gelernt, die ich während meines Jahres besuchen will. Zum Beispiel habe ich mich total gut mit Doro verstanden. Vielleicht schaff ich es ja, sie in St. Petersburg zu besuchen. Ansonsten stehen Belgien, Paris, Lille, Amsterdam, Rotterdam, Krakau, Prag und vieles mehr auf der Liste. Ihr seht, mein Reisefieber zeigt sich wieder!!!

 In meiner PAG (Projektarbeitsgruppe) besuchte uns eine Frau – ich glaube, ihr Name war Aishe - die als eine der Stadtteilmütter in Neukölln, Berlin arbeite: Auf freiwilliger Basis besucht jede Stadtteilmutter, meist Frauen mit muslimischen Immigrationsgrund, eine Familie 10 Mal. Bei jedem Besuch wird eins von 10 Themen besprochen, beispielsweise das deutsche Schulsystem, Ernährung und Bewegung, etc. Aufgrund desselben Hintergrunds können die Stadtteilmütter auch mit Frauen in Kontakt treten, die normalerweise wegen ihrer Sprachschwierigkeiten eher isoliert sind. Da das Projekt erst seit ein paar Jahren läuft, kann man den langfristige Erfolge noch nicht anhand von Statistiken oder so zeigen. Aber für Aishe ist es schon ein kleiner Erfolg, wenn nach ihren Besuchen ein kleines Bücherregal in dem Kinderzimmer aufgestellt wurde. Mich hat Aishes Art fasziniert, denn sie scheint ein warmherzige, ruhige und geduldiger Mensch zu sein.

 Für zwei Tage waren wir im Haus der Wannseekonferenz: Irgendwie habe ich mir das Haus wie einen typischen Nazi-Klotz vorgestellt, der den Größenwahn der Nazis repräsentiert. Mit meiner Vermutung lag ich dann total falsch, denn das Haus sieht wie ein elegantes Ferienhaus aus. Von der Terrasse hat man einen tollen Blick auf die Segelboote und den See- irgendwie wirkte diese Idylle makabar, wenn man sich das Resultat der Konferenz  vor die Augen hält. Die interessante Ausstellung kann ich jedem nur empfehlen. Der Höhepunkt war für mich aber das Zeitzeugengespräch mit Willy Frohwein. Mit seiner amüsanten Berlinerart hat er  von seinen Sabotageversuchen, der anschließenden, versuchten Flucht in die Schweiz, seinem Aufenthalt in Auschwitz und der Befreiung erzählt. Klar haben wir im Leistungskurs Geschichte über die Opfer der Nazi-Zeit geredet. Trotzdem geht das Schicksal einzelner in der Informationsflut einfach unter. Ich glaube, ich werde mich eher an Schicksal erinnern, als an die genaue Opferzahl von beispielsweise Auschwitz!!!

By the way. Ihr müsstet euch unbedingt mal den Film „Everything is illumated“ mit Elija Wood – sorry an alle HdR-Fans, wenn ich den Namen falsch geschrieben habe- anschauen! Der Film und der Soundtrack sind einfach nur toll!!!

 Am 11.September durften wir endlich nach Belgien ausreisen. Noch übermüdet von der Abschiedsfete und eingemummelt in unsere Schlafsack standen wir erst mal fast zwei Stunden am Bahnhof in Fürstenwalde rum. Warum wir zwei Stunden früher als die Niederländer aufbrechen mussten, haben wir Belgier echt nicht verstanden. Sowohl in Fürstenwalde als auch in Berlin haben wir uns wieder gesehen!!! Es war für Ruben, Nele und mich schon ein komisches Gefühl, die exakte Route noch mal zurückzufahren und dann im Kölner HBF noch eine Stunde zu warten. Wir drei haben uns immer verarscht gefühlt, wenn ein Zug in Richtung Troisdorf, Bonn oder Leverkusen angekündigt wurde.... =(

  Mhm, unser erster Eindruck von den Belgiern war, sagen wir mal, nicht ganz überzeugend: Wir alle hatten Unmengen von Gepäck dabei. Als der Thalys dann in Brüssel Midi anhielt, haben wir so schnell wie möglich versucht, alles aus dem Zug zu bekommen. Nach etwa 3 Minuten hatten die Leute, die in den Thalys einsteigen wollten, keine Lust mehr zu warten. Ein Mann kam auf die geniale Idee, einfach mit Kinderwagen einzusteigen, obwohl wir noch nicht fertig waren. Die anderen Zusteigenden haben sich dann ein Beispiel an ihm genommen...ich dachte in dem ganzen Chaos, dass ich meinen Koffer nicht mehr aus dem Zug bekomme. Letztendlich konnte einer der Schaffern das ganze Chaos auflösen und nichts blieb liegen. Ihr könnt euch vorstellen, dass wir mit den Nerven echt fertig waren. Als wir dann noch alles zur Jugendherberge schleppen mussten, war ich so am Ende, dass ich am Liebsten einfach stehen geblieben wäre. Den Trolly über Kopfsteinpflaster zu ziehen ist echt eine Wonne, zumal wenn der Weg kein Ende nimmt!!! =)

 Etwa 20 Minuten vom Groote Markt und mitten im arabischen Viertel lag dann unsere Jugendherberge „De Waterman“. Ich hätte eigentlich nicht gedacht, dass mir Brüssel so gut gefällt. Aber die alten Zunfthäuser im Zentrum, die kleinen Lebensmittelläden um den Waterman und vieles mehr machen die Stadt echt liebenswert. Auf den O-Tagen sollten wir uns als Ländergruppe besser kennen, da wir in Hirschluch kaum Möglichkeiten hatten. Ansonsten hatten wir unseren Sprachkurs: Tortz keinerlei Sprachkenntnisse verstehe ich passiv sehr viel, aber sobald ich was sprechen muss, beginnen die Schwierigkeiten... Das wie „ch“ ausgesprochene „g“ hat es in sich!!! Ihr könnt euch ja mal an dem nächsten Satz toben:

Lief kleine konijntje het een vliegje op zijn neus. Na, den Sinn verstanden???

 Einen Tag waren wir auch in Fort .... – ich hab den Namen vergessen und bin einfach zu faul, in mein Zimmer zu laufen und den Namen herauszusuchen! Das Fort liegt zwischen Brüssel und Antwerpen. Während der Besetzung der Nazis wurde es als ein KZ für Widerständler genutzt. Der Mann, der uns durch das Fort geführt hat, hat alles so detailliert beschrieben, dass ich mir genau vorstellen konnte, wie das Leben der Insassen aussah. Die Feuchtigkeit und Kälte sowie die mit blauer Folie abgeklebten Fenster haben das Gefühl der Beklommenheit noch verstärkt. Man hat echt gemerkt, wie froh wir waren, als wir wieder im strahlenden Sonnenschein draußen standen. Am Ende der Führung hat der Mann sich bei uns bedankt, dass wir unseren Freiwilligendienst in Belgien machen. Ich fands krass, dass er als Belgier unsere Arbeit honoriert.

 So, nach 17 Tagen sind wir dann in Antwerpen angekommen- naja, ganz problemlos war unsere Anreise auch dies Mal nicht: Ein freundlicher Helfer hat uns unseren Go-Pass geklaut, nachdem er uns mit dem Gepäck geholfen hat... das zum Thema Helfen!!! Ein Go-Pass ist eine Zehnerkarte, mit der man in ganzen Belgien fahren kann. Zum Glück ersetzt uns Renate (unsere Länderreferenten) den Pass- noch mal Schwein gehabt!!!

 

So, über die ersten Tage in Antwerpen schreib ich in den nächsten  Tagen- ich will euch ja nicht erschlagen!!! J

 

Groetjes Sarah

3 Kommentare 20.9.07 19:28, kommentieren

Wieder auf Reisen!

Puh, endlich habe ich es fertig gebracht, alles in meinen Koffer und Rucksack zu verstauen. Eigentlich ist es nicht so viel, was ich mitnehmen will... trotzdem durfte ich alles drei Mal ein- und ausräumen, bis auch wirkliches alles eingepackt war!!!  Irgendwann werde ich noch zur Weltmeisterin in der Disziplin des Kofferpackens  

Ansonsten sitze ich schon auf heißen Kohlen, da ich es kaum erwarten kann, in Antwerpen zu sein: Aber erst Mal fahre ich morgen in die Nähe von Berlin, genauer gesagt nach Hirschlurch. Dort findet das 11 tägige Orientierungssemiar für alle Freiwilligen von ASF (Aktion Sühnezeichen Friedensdienste) - ich bin mal gespannt, wen ich von meinem Auswahl wieder treffe... Auf jeden Fall wird's lustig, da wir mit Betreuern über 200 Leute sein werden. Nach diesen 11 Tagen reise ich dann nach Brüssel, wo dann für uns 12 (?) "Belgier" das länderspezifische Vorbereitungssemiar beginnt. Ich schätze, dort verbringe ich noch mal eine Woche und dann dürfen Nele, Julia, Lisa, Lydia und ich nach Antwerpen- das wurde dann aber auch mal Zeit!!!

Nele, Julia, Lisa und Lydia sind meine Mitbewohnerinnen der tollen Antwerpen 5-WG. Bis jetzt kenne ich nur Nele und Lisa von dem EVS-Seminar. Hoffentlich sind Julia und Lydia genauso nett, sodass unser WG-Leben einfach nur phantastisch wird - trotz der Hausarbeit.

Während des Jahrs werde ich im PRojekt "Op Vrijen Voeten" arbeiten: Das Projekt wendet sich besonders an Kinder und Jugendliche der protestantischen Minderheit. Ich werde wohl mit meinem laut Nina total netten Team sechs Wochenendfreizeiten und sonstige Aktivitäten organisieren, Artikel für die eigene Jugendzeitschrift schreiben und noch vieles mehr!

So, das wars erst mal! Das nächste Mal erzähl ich Euch von Hirschlurch, Brüssel und meinem ersten Tagen in Antwerpen.

Alles Liebe Sarah

4 Kommentare 31.8.07 14:00, kommentieren