So, jetzt habe ich ungefähr 1000 Mal angefangen und alles wieder gelöscht: Ich hab in den letzten Wochen so viel erlebt und könnte genauso viel erzählen!!! Aber ich schaffe es nicht, alles aufs Papier zu bringen- grr!!! Am Besten fang ich mal mit Hirschluch an- liegt ja irgendwie auf der Hand.

  Wie ihr wisst, ging’s ja am 1.September für mich los: Im Zug saß ich erst alleine, bis Vanessa mit der Hilfe von Johannes ihr Gepäck ins Abteil kam. Vanessa sah man erst auf dem zweiten Blick, da sie zwischen ihrem riesigen Wanderrucksack und dem kleinern vorne kaum zu erkennen war- ich muss schon sagen, da habe ich mit meinen Trolly und dem Rucksack besser gepackt habe!!! Insgesamt waren wir 15 Leuten, die ich zum Teil vom Regio-Treffen Köln-Bonn schon kannte. Die Zeit bis Berlin verflog echt schnell. (In Hamm mussten wir 45 Minuten warten- die Bahn hat ihrem Namen wieder alle Ehre gemacht!!!)

 Angekommen in Hirschlurch begann Leben in der Masse: zu circa 160 Leuten frühstücken, Mittag und Abend essen. Über den Geräuschpegel sag ich mal nichts, selbst beim schweigsamen Mittagessen war wegen dem Geschirrgeklapper laut. In unseren Haus – wohl bemerkt nur Mädchen- gab es nur vier Duschen und es war arschkalt... es lebe die Zwiebeltechnik, bei der man möglichst viele Klamotten anzieht!!!

 So, das waren die schlechten Seiten. Kommen wir mal zu den guten: Ich habe so viele liebe und lustige Leute kennen gelernt, die ich während meines Jahres besuchen will. Zum Beispiel habe ich mich total gut mit Doro verstanden. Vielleicht schaff ich es ja, sie in St. Petersburg zu besuchen. Ansonsten stehen Belgien, Paris, Lille, Amsterdam, Rotterdam, Krakau, Prag und vieles mehr auf der Liste. Ihr seht, mein Reisefieber zeigt sich wieder!!!

 In meiner PAG (Projektarbeitsgruppe) besuchte uns eine Frau – ich glaube, ihr Name war Aishe - die als eine der Stadtteilmütter in Neukölln, Berlin arbeite: Auf freiwilliger Basis besucht jede Stadtteilmutter, meist Frauen mit muslimischen Immigrationsgrund, eine Familie 10 Mal. Bei jedem Besuch wird eins von 10 Themen besprochen, beispielsweise das deutsche Schulsystem, Ernährung und Bewegung, etc. Aufgrund desselben Hintergrunds können die Stadtteilmütter auch mit Frauen in Kontakt treten, die normalerweise wegen ihrer Sprachschwierigkeiten eher isoliert sind. Da das Projekt erst seit ein paar Jahren läuft, kann man den langfristige Erfolge noch nicht anhand von Statistiken oder so zeigen. Aber für Aishe ist es schon ein kleiner Erfolg, wenn nach ihren Besuchen ein kleines Bücherregal in dem Kinderzimmer aufgestellt wurde. Mich hat Aishes Art fasziniert, denn sie scheint ein warmherzige, ruhige und geduldiger Mensch zu sein.

 Für zwei Tage waren wir im Haus der Wannseekonferenz: Irgendwie habe ich mir das Haus wie einen typischen Nazi-Klotz vorgestellt, der den Größenwahn der Nazis repräsentiert. Mit meiner Vermutung lag ich dann total falsch, denn das Haus sieht wie ein elegantes Ferienhaus aus. Von der Terrasse hat man einen tollen Blick auf die Segelboote und den See- irgendwie wirkte diese Idylle makabar, wenn man sich das Resultat der Konferenz  vor die Augen hält. Die interessante Ausstellung kann ich jedem nur empfehlen. Der Höhepunkt war für mich aber das Zeitzeugengespräch mit Willy Frohwein. Mit seiner amüsanten Berlinerart hat er  von seinen Sabotageversuchen, der anschließenden, versuchten Flucht in die Schweiz, seinem Aufenthalt in Auschwitz und der Befreiung erzählt. Klar haben wir im Leistungskurs Geschichte über die Opfer der Nazi-Zeit geredet. Trotzdem geht das Schicksal einzelner in der Informationsflut einfach unter. Ich glaube, ich werde mich eher an Schicksal erinnern, als an die genaue Opferzahl von beispielsweise Auschwitz!!!

By the way. Ihr müsstet euch unbedingt mal den Film „Everything is illumated“ mit Elija Wood – sorry an alle HdR-Fans, wenn ich den Namen falsch geschrieben habe- anschauen! Der Film und der Soundtrack sind einfach nur toll!!!

 Am 11.September durften wir endlich nach Belgien ausreisen. Noch übermüdet von der Abschiedsfete und eingemummelt in unsere Schlafsack standen wir erst mal fast zwei Stunden am Bahnhof in Fürstenwalde rum. Warum wir zwei Stunden früher als die Niederländer aufbrechen mussten, haben wir Belgier echt nicht verstanden. Sowohl in Fürstenwalde als auch in Berlin haben wir uns wieder gesehen!!! Es war für Ruben, Nele und mich schon ein komisches Gefühl, die exakte Route noch mal zurückzufahren und dann im Kölner HBF noch eine Stunde zu warten. Wir drei haben uns immer verarscht gefühlt, wenn ein Zug in Richtung Troisdorf, Bonn oder Leverkusen angekündigt wurde.... =(

  Mhm, unser erster Eindruck von den Belgiern war, sagen wir mal, nicht ganz überzeugend: Wir alle hatten Unmengen von Gepäck dabei. Als der Thalys dann in Brüssel Midi anhielt, haben wir so schnell wie möglich versucht, alles aus dem Zug zu bekommen. Nach etwa 3 Minuten hatten die Leute, die in den Thalys einsteigen wollten, keine Lust mehr zu warten. Ein Mann kam auf die geniale Idee, einfach mit Kinderwagen einzusteigen, obwohl wir noch nicht fertig waren. Die anderen Zusteigenden haben sich dann ein Beispiel an ihm genommen...ich dachte in dem ganzen Chaos, dass ich meinen Koffer nicht mehr aus dem Zug bekomme. Letztendlich konnte einer der Schaffern das ganze Chaos auflösen und nichts blieb liegen. Ihr könnt euch vorstellen, dass wir mit den Nerven echt fertig waren. Als wir dann noch alles zur Jugendherberge schleppen mussten, war ich so am Ende, dass ich am Liebsten einfach stehen geblieben wäre. Den Trolly über Kopfsteinpflaster zu ziehen ist echt eine Wonne, zumal wenn der Weg kein Ende nimmt!!! =)

 Etwa 20 Minuten vom Groote Markt und mitten im arabischen Viertel lag dann unsere Jugendherberge „De Waterman“. Ich hätte eigentlich nicht gedacht, dass mir Brüssel so gut gefällt. Aber die alten Zunfthäuser im Zentrum, die kleinen Lebensmittelläden um den Waterman und vieles mehr machen die Stadt echt liebenswert. Auf den O-Tagen sollten wir uns als Ländergruppe besser kennen, da wir in Hirschluch kaum Möglichkeiten hatten. Ansonsten hatten wir unseren Sprachkurs: Tortz keinerlei Sprachkenntnisse verstehe ich passiv sehr viel, aber sobald ich was sprechen muss, beginnen die Schwierigkeiten... Das wie „ch“ ausgesprochene „g“ hat es in sich!!! Ihr könnt euch ja mal an dem nächsten Satz toben:

Lief kleine konijntje het een vliegje op zijn neus. Na, den Sinn verstanden???

 Einen Tag waren wir auch in Fort .... – ich hab den Namen vergessen und bin einfach zu faul, in mein Zimmer zu laufen und den Namen herauszusuchen! Das Fort liegt zwischen Brüssel und Antwerpen. Während der Besetzung der Nazis wurde es als ein KZ für Widerständler genutzt. Der Mann, der uns durch das Fort geführt hat, hat alles so detailliert beschrieben, dass ich mir genau vorstellen konnte, wie das Leben der Insassen aussah. Die Feuchtigkeit und Kälte sowie die mit blauer Folie abgeklebten Fenster haben das Gefühl der Beklommenheit noch verstärkt. Man hat echt gemerkt, wie froh wir waren, als wir wieder im strahlenden Sonnenschein draußen standen. Am Ende der Führung hat der Mann sich bei uns bedankt, dass wir unseren Freiwilligendienst in Belgien machen. Ich fands krass, dass er als Belgier unsere Arbeit honoriert.

 So, nach 17 Tagen sind wir dann in Antwerpen angekommen- naja, ganz problemlos war unsere Anreise auch dies Mal nicht: Ein freundlicher Helfer hat uns unseren Go-Pass geklaut, nachdem er uns mit dem Gepäck geholfen hat... das zum Thema Helfen!!! Ein Go-Pass ist eine Zehnerkarte, mit der man in ganzen Belgien fahren kann. Zum Glück ersetzt uns Renate (unsere Länderreferenten) den Pass- noch mal Schwein gehabt!!!

 

So, über die ersten Tage in Antwerpen schreib ich in den nächsten  Tagen- ich will euch ja nicht erschlagen!!! J

 

Groetjes Sarah

20.9.07 19:28

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Lisa (6.10.07 18:43)
hey sarahhhhhh
wie gehts dir???
hast du nicht dieses Wochenende dein erstes Jugendwochenende? oder war das schon letzte Woche???
wie wars denn? alles gut gelaufen?
ich geh jetzt erstmal auf nen geb von einer Freundin: wie immer Churrasco^^ und sonnennnnn (bin schon brauner geworden =))
und heute abend ist eine party von der Uni hier. Wird bestimmt ganz gut. Die jungen mit Smoking, maedchen mit Kleid etc ich hoffe nur das die band gut ist...ich hab lust zu tanzen. und nachdem ich die letzten beiden Wochenenden auf 2 party war, die total langweilig waren, koennte ich jetzt mal wieder eine tolle gebrauchen =p
dir alles liebe Lisa


Dina (18.10.07 15:07)
Hi Kin!! deine geschichte ist echt voll spannend! tut mir leid,ich hab mich lange nicht gemeldet. War erst am sonntag abend von indonesien wiedergekommen.. echt toll,alle wiedergesehen, und dort gefastet zu haben :D und mein famulatur war auch ganz spannend!obwohl es ziemlich anstrengend war, und bin ziemlich viel alleine rumgelaufen,ohne zu wissen, was ich sonst machen sollte..hehe.. aber insgesamt war es ein nettes praktikum kannst ja irgendwann wieder nach bandung und dort praktikum machen :D
achja..jetzt wirds wieder gelernt aber ich hoffe mal, ich kann dich irgendwann mal in antwerpen besuchen! viel spass, machs gut, und ganz viele liebe gruesse aus hannover.

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