Die ersten Wochen

Hallo ihr Lieben, ich bastele schon etwas länger an diesem Text rum, aber endlich hab ich ihn fertig gestellt!!! Es hat ja nur drei Wochen oder so gedauert.... ich sollte echt an meiner Schreibfaulheit arbeiten.                                             

 Als letzte verlasse ich immer zwischen 9.00 und 9.15 Uhr das Haus: Ich liebe meinen Arbeitsweg, denn ich fahre immer die Haupteinkaufsstrasse – Meir- bis zum Zentralbahnhof entlang und erfreu mich an den alten, prunkvollen Häusern. Aber das beste Stück beginnt erst nach dem Bahnhof – das orthodox-jüdische Viertel!!! Bei meiner ersten Fahrt habe ich echt mehr auf die Passanten, als auf den Verkehr geachtet – eine sehr schlechte Idee!!! Die Fahrradfahrer denken, dass der Verkehr sich nach ihnen richtet, und übersehen die roten Ampeln großzügig. Auch die Autofahrer fahren, wie sie wollen – aber es funktioniert bestens! Meine erste Begegnung mit den Tramschienen hatte ich auch, als ich in eine gekommen bin und erst mal schon flach gelegt habe. ( Es ist ja nicht so gewesen, als ob mich Inge und Nina nicht vorgewarnt haben. Aber wer nicht hören will, muss fühlen... J) Zurück zu dem Viertel, in Deutschland bin ich noch nie jemanden begegnet, der offensichtlich der jüdischen Religion angehört. Dementsprechend bin ich schon irgendwie fasziniert, wenn ich die Männer mit der Schäferlocken und den langen, rausche Bart zu Fuß oder auf dem Fahrrad entgegen komme. Eigentlich stechen sie immer aus der Menge heraus, da echt jeder Bewohner gleich gekleidet ist. Zu den beschrieben Merkmalen tragen die Männer immer einen langen schwarzen Mantel und Hut, und sind in schwarz gekleidet. Die Frauen erkennt man den schwarzen Röcken und Mäntel sowie dem bedeckten Haar auch immer. Ich würde mich gerne mit einem unterhalten und dabei all meine Fragen, die ich habe, loswerden. Ich glaube, durch meine zum Teil echt naive und unwissenden Fragen würde ich ihn entweder  amüsieren oder ziemlich verletzen!!! Außerdem denke ich, dass ich nie die Gelegenheit haben werde,  mich mit einem zu treffen. Es scheint, als ob sie sehr zurückgezogen wohnen und kaum, wenn gar gar keinen Kontakt zu den „normalen“ Antwerpener haben....

 Seit fast vier Wochen arbeite ich schon in meinem Projekt : Im Großen und Ganzen haben sich meine Befürchtungen bestätigt und nicht bewahrheitet – mein Team besteht genau aus fuenf Leuten: Inge, Peter, Dany, Frans und natuerlich ich – mit den Namen habe ich noch mal Glück gehabt!!! Bei Tijtse und Greetjeminke bricht man sich dann die Zunge. Inge ist die padägogische Arbeiterin. Zum Glück hat Inge immer eine Idee, wo ich Spielanregungen für das nächste Wochenende finden kann, wenn mich meine kreative Ader verlassen hat. Peter merkt man an, dass er vor OVV als Lehrer gearbeitet hat. Er weiß echt, wie man sich Respekt verschafft, ohne autoritär zu wirken. Gemeinsam mit Inge ist Peter meine Ansprechsperson, wenn ich Fragen, Probleme oder andere Sorgen habe. Dany ist unsere Meister der Zahlen, da er für die Buchhaltung zu ständig ist. Wenn irgendwas mit der Technik wieder mal nicht stimmt, kann er schnell zu Grummelgrieskram werden, obwohl er normalerweise richtig lieb ist. Frans ist für das Flüchtlingsprojekt und vor allem die Arbeit mit Kindern zu ständig. Mittlerweile versteh ich so gar seine Witze, was bei seiner Dialekt echt nicht einfach war. Am Anfang hab ich immer ahnungslos mitgelacht.  Ihr seht, mein Team ist echt goldig und ich verstehe mich mit ihnen echt gut.
 Durch meine Arbeit merk ich erst, dass Büroarbeit eigentlich ziemlich vielseitig. Leider besteht der größte Teil aus dieser Arbeit, da alles auch Wochenendfreizeiten erst mal vorbereitet werden müssen- Telefonieren, Programmausarbeitung, Treffen mit den anderen Freiwilligen für Wochenende. Trotz allem merk ich, dass ich einen Ausgleich brauche. Deshalb versuchen Peter und ich mehr praktisches in meinen Projektalltag zu bekommen. Ich erzähl auch einfach das nächste Mal davon.
  In meiner zweiten Wochen war meine erste Wochenendfreizeit für Teenager zwischen 12 und 16 Jahre: Anfangs hatte ich ein bisschen Angst, dass ich mit ihnen nicht auskommen würde- zum Glück ist alles echt gut gelaufen!!! =) Das Thema war „Trouble in Paradies“, das sich dann wie ein roter Faden durchs Programm gezogen hat.  Für eins der Spiele habe ich dann im Internet Artikel über beispielsweise Kindersoldaten, Obdachlose, Hungersnot etc. herausgesucht. Ich bin echt stolz, dass ich alle Artikel auf www.11.be - eine belgische Seite, die von Geschehnissen berichtet, die meistens in der Tageszeitungen nicht erwähnt werden- herausgesucht und vor allem inhaltlich verstanden habe. Inge meinte sogar, dass die von mir ausgewählten Texte echt gut seien!!! Kann mir jemand mal auf die Schulter klopfen?!!? J Während einer Art Schnitzeljagd mussten die Teenager, in zwei Gruppen aufgeteilt, eine gute Lösung auf diese Probleme finden und dabei schneller als die andere Gruppe fertig werden. Die Lösungen sollten dann dem Engel Gabriel (Peter) vorgetragen werden. Das ganze wäre ja zu einfach gewesen, wenn es nicht die Schlangen gegeben hätte. Inge, Shamisa und ich haben uns als Schlangen verkleidet und versucht, die anderen zu fangen, um ihnen dann neue Probleme aufzuhalsen. Die Tagen vorher hat es fast nur geregnet. Da wir im Wald gespielt haben, wurde die Schnitzeljagd schnell zur Schlammschlacht. Ein Mal wollte ich Tiziana fangen. Natürlich ist sie vor mir weg gerannt und zwar in matschige Wiese!!!! Der Dreck ist echt in alle Richtungen gespritzt!!! Zu unsere Freude hatten wir dann auch noch nasse Schuhe, die nicht mehr trocken werden wollten... Alle hatten echt ihren Spaß und ich denke, das ist das wichtigste Sache!!! Mein Glück war auch dies Mal wieder da: Mitten im Spiel bin ich von einer Biene in die Lippe gestochen worden, sodass meine Lippe schön angeschwollen ist!!! Ich sah aus, als hätte mir jemand zu viel Botox in die Oberlippe gespritzt. Dagegen sind die Lippen von Angelina Jolie echt harmlos!!!
 Nach zwei tagen non Stopp Flämisch war ich echt am Ende: Zwar verstehe ich sehr viel, nur tue ich mich sehr schwer, wenn ich antworten muss. Ich denke, man merkt schon noch, dass ich mir die Sätze oft noch im Kopf formuliere, bevor ich rede. Manchmal stottere ich mir einen ab, aber immerhin versuche ich alles, auf Niederländisch zu sagen. Üben macht den Meister!!! Für meine Sprache war das Wochenende echt super, aber am Ende war ich echt am Ende und saß beim Abschlussspiel  nur noch rum. Ha, ich muss Euch von meiner Rückfahrt erzählen: Ich bin mit Shamisa und Justin nach Antwerpen zurückgefahren und musste irgendwann total aufs Klo. Von der Müdigkeit total entkräftet habe ich es nicht mehr geschafft, die Toilettentür aufzumachen, sodass mir die daneben stehenden Jungen echt helfen mussten. Vom Zentralbahnhof musste ich dann noch nach Hause laufen. Erstmal habe ich mindestens das doppelte an Zeit gebraucht und hab es auch noch geschafft, meinen Schlafsack fallen zu lassen. Natürlich fiel der direkt zwei jungen Männern vor die Füße, die deshalb fast gestolpert wären. Zum Glück haben sie mir den Schlafsack gegeben. Ihre Blicke waren echt herrlich, da man ihre Gedanken daran ablesen konnte. Anscheinend waren sie echt am Überlegen, ob sie mich nicht nach Hause begleiten sollten: Zuhause angekommen bin ich sofort ins Bett gegangen und hab mir als 15 Stunden geschlafen- zwischen zeitlich bin ich noch wegen des Abendessen aufgestanden. Mit mir war echt nichts mehr anzufangen!!! Aber ich war auch echt total fertig.

 Neben den Wochenendfreizeiten und ihrer Organisation arbeite ich noch am KAP- Projekt mit- fragt mich nicht, was die Abkürzung bedeutet!!! Ich hab es schon wieder verdrängt...Jedenfalls ist KAP ein Zusammenschluss von den protestantischen Kirchen in Ruanda, Kongo, Südafrika und Belgien. Jede zwei Jahren findet ein Kap-Camp für junge Erwachsene in einem der Mitgliedländer- und wisst ihr, wo das nächste stattfindet?!!? Hier, in Belgien: Zuerst wird es für zwei Wochen in der Nähe von Liege sein und die restlichen 14 Tage dann in Antwerpen. Da Kap versucht, neue Mitglieder anzuwerben, musste ich als erstes mit einer Pfarrerin in Brüssel telefonieren. Ich weiß es nicht, wie lange ich gebraucht habe, bis sie mein Anliegen verstanden hat. Das übelste an der Sache war, ich habe das Telefonat auf Deutsch geführt..... jajaja, ich und meine Muttersprache!!! =) Mir ist echt ein Stein vom Herzen gefallen, dass ich bei einer anderen Anfrage per Mail prompt geantwortet wurde!!!

 Die Schattenseite an meinem Projekt ist halt, dass ich viel  vor dem Computer sitze, um Mails zu verschicken, Texte zu lesen, Informationen zu bekommen. Einerseits merk ich, dass Büroarbeit echt vielseitiger ist, als ich dachte. Meistens finde ich auch Gefallen an dem, was ich tue. Beispielsweise lege ich gerade, wie ich das Thema Geschlechtskrankheiten in ein Spiel packen kann!!! Aber auf die Dauer merk ich halt, dass ich nicht die ganze Zeit hinter dem Bildschirm verbringen möchte!!! Deshalb bin ich ziemlich froh, dass mein Projekt wahrscheinlich etwas geändert wird: Wenn der Raad de Bestuur zu stimmt, wird ich ein Mal pro Woche bei einem Verein für Behindertensport helfen. Gestern habe ich Lara nach dem Sprachkurs in ihrer Arche besucht: Als Arche bezeichnet man eine Lebensgemeinschaft mit Behinderten. Lara nennt sie immer „Gasten“, was ich echt vorziehe. Der Begriff wertet diese Menschen nicht ab. Die waren echt total nett und haben sich über meinen Besuch gefreut. Jeanne hat mich nach Strich und Faden ausgefragt. Ich fands schwer, sie zu verstehen, denn sie hat keinen Rücksicht darauf genommen, dass ich noch nicht so gut spreche, und hat in einem Affenzahn gesprochen. Ich freu mich schon auf die neue Arbeit, wenn es klappt!!!

 Außerdem will ich mein eigens Projekt auch aufbauen: Peter nimmt gerade Kontakt zu möglichen Zentren auf, um mal zu schauen, ob meine Vorstellung von meinem Projekt realisierbar sind. Mal schaun, was sich ergibt!!! Momentan bin ich ziemlich zuversichtlich!!!

 

 Grotjes Sarah

6.11.07 20:41

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